Rechtschreibschwäche - Die Folge einer falschen Lernstrategie?

Kennen Sie das auch, dass die Rechtschreibung oft punktuell geübt wird? Daraus ergibt sich, dass die Kinder keine Übersicht über die Struktur der Rechtschreibung erhalten und deshalb nur schlecht Strategien entwickeln können.

 

Die Aufmerksamkeit im Rechtschreibunterricht wird oft auf die Ausnahme gerichtet.

Es werden z.B. Wörter mit „ie“ oder „Dehnungs-h“ geübt. Das hat zur Folge, dass die Kinder diese „Regel“ übernehmen und überall „ie“ oder „h“ einbauen. Diese führt zu vielen Fehlern bei Wörter mit einer lautgetreuen  Schreibweise. Kurz gesagt: Der Fokus ist nicht richtig gesetzt.

 

Es gibt aber eine Möglichkeit, dass  die Kinder nicht mehr alle Wörter auswendig lernen müssen, sondern Strategien erlernen können, um die richtige Schreibweise herzuleiten.

 

Haben Sie gewusst, dass etwa 50-70 % der Wörter in unserer Sprache lautgetreu sind? Das heisst, sie werden so aufgeschrieben, wie sie gesprochen werden.

 

Dann gibt es noch die Wörter, deren Schreibweise sich mit Hilfe der Sprechsilben und allenfalls einer Regel ableiten lassen.

 

Und zu guter Letzt gibt es nur noch etwa 5-8% der Wörter, die sogenannten Lernwörter, die wirklich noch speziell trainiert und automatisiert werden sollten. Dies bewirkt, dass das Schreiben für die Kinder mit weniger Belastung und mehr Motivation verbunden ist.

 

Das Prinzip ist, dass das Normale und nicht die Ausnahme geübt wird. Die Kinder lernen Strategien und erhalten so die Möglichkeit, Wörter richtig zu schreiben, deren Schreibweise ihnen noch unbekannt ist. Der Aufwand, um die Rechtschreibung zu erlernen, wird somit deutlich verringert und der Erfolg und die Sicherheit nehmen stark zu.

 

Um auf diesem Weg zu einer sicheren Rechtschreibung zu gelangen braucht es zwei grundlegende Fähigkeiten:

 

  • lautgetreu schreiben zu können. Das heisst, die Wörter, welche so geschrieben werden, wie sie ausgesprochen werden, richtig    aufzuschreiben
  • die Fähigkeit, Wörter in Sprechsilben aufspalten zu können. Die Sprechsilbenarbeit ist sehr wichtig, da die Schreibweise der Wörter z.B. mit einer Dopplung (Mut-ter/Him-mel) hörbar sind und abgeleitet werden können

 

Bei einigen Wörter werden diese richtig verlängert oder es wird auf die Wortfamilie zurückgegriffen, um die richtige Schreibweise zu erkennen.

 

Alle Wörter, welche nicht lautgetreu geschrieben werden und bei denen die Schreibweise nicht durch Sprechsilben oder Verlängern hergeleitet werden, bezeichnet man als Lernwörter. Das sind ungefähr 5-8%. Das Ziel ist es, diese möglichst oft zu schreiben und zu automatisieren, z.B. mit Hilfe einer Lernkartei.

 

Diese Form des Rechtschreibtrainings kann eine hilfreiche Unterstützung bei einer Rechtschreibschwäche sein und wird in meiner Lernberatung berücksichtigt und mit den Kindern trainiert.   

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