Lerntipp: Konzentration verbessern

Haben Sie schon einmal die folgende Erfahrung gemacht, dass Sie ins Zimmer gehen und feststellen, dass ihr Kind oder Jugendlicher schon seit einiger Zeit ganz vertieft einer Tätigkeit nachgeht? Und dass Ihr Kind gar nicht mitbekommt, wenn Sie etwas sagen oder zum Essen rufen?

Die ganze Aufmerksamkeit ist auf diese Tätigkeit gerichtet. Dies nennt man Konzentration.

 

Wenn es immer so wäre, würden Sie wahrscheinlich nicht diese Zeilen lesen. Deshalb gehe ich davon aus, dass Sie auch die folgende Situation bei Ihrem Kind kennen:

Ihr Kind sitzt bereits seit einer Stunde an den Hausaufgaben und es geht einfach nicht vorwärts. Immer wieder fällt dem Kind ein, was es sonst noch zu erledigen hat. Dann hat es wieder den Gummi vergessen oder muss auf die Toilette. Es lässt sich von allen möglichen Sachen ablenken. Und die Hausaufgaben ziehen sich stundenlang in die Länge... und die Konzentration? Die lässt zu wünschen übrig.

 

Auch bei uns selber können wir beobachten, dass wir uns in manchen Situationen gut konzentrieren können und in anderen Situationen mehr schlecht als recht.

 

Warum ist das so?

Die Konzentration ist leider keine Eigenschaft, die immer und jederzeit vorhanden ist. Sie ist eine Eigenschaft, die unter anderem von den folgenden Faktoren abhängig ist:

  • Von der Sache: Ist der Lerninhalt oder die Tätigkeit für mich interessant oder eher langweilig?
  • Von meiner aktuellen Stimmung: Fühle ich mich heute wohl oder bin ich ärgerlich, gestresst, habe ich Sorgen oder Ängste?
  • Von meinem Können: Kann ich die Aufgabe lösen oder ist sie zu schwierig, unangenehm?
  • Von meiner Umgebung: Wie ist die Lernatmosphäre, was geschieht um mich herum, ist das viel interessanter und spannender? 

Die Konzentration wird von inneren und äusseren Rahmenbedingungen beeinflusst und ist auch sehr stark abhängig von der Motivation. Leider haben wir kein genetisches Programm, das uns zwingt, die Kulturtechniken wie Rechnen, Lesen oder Schreiben zu lernen. Die Kinder lernen zu Beginn sehr oft, um eine gute Beziehung zur Lehrperson oder den Eltern zu erfahren. Aus diesem Grund ist gerade bei Kindern die extrinsische Motivation von aussen sehr wichtig. Dies geschieht durch Lob und Anerkennung der Bezugsperson. Mit der Zeit kann das Kind durch eine gute Eigensteuerung die intrinsische Motivation entwickeln. Beispielsweise durch gute Leistungen, Freude am Lernen, Erfolg, usw. Ist das Kind motiviert zu lernen, verbessert sich auch die Konzentration.

 

Sehr oft wird die Konzentrationsspanne von Kindern überschätzt. Die folgende Tabelle zeigt, wie lange sich Kinder in der Regel konzentrieren können:

 

5-7 Jährige

7-10 Jährige

10-12 Jährige

12-15 Jährige

15 Minuten

20 Minuten

25 Minuten

30 Minuten

 

Sie denken nun vielleicht. „Das kann ja gar nicht stimmen. Mein Sohn kann z.B. stundenlang mit Lego spielen. Bei den Hausaufgaben ist er aber schon nach 5 Min. erschöpft.“

Das stimmt. Auch beim Spielen sind Kinder nicht über mehrere Stunden voll konzentriert bei der Sache. Konzentrationsschwankungen fallen hier aber viel weniger auf, weil sie sozusagen ins Spiel eingebunden werden. Die Kinder verändern das Spiel, lösen sich gegenseitig ab, lassen ihren Gedanken freien Lauf, übergeben dem Spielpartner die Führung.

Bei den Hausaufgaben und in der Schule ist das anders. Hier wird der Verlauf meist vorgegeben und z.B. von der Lehrperson oder den Eltern bestimmt. Eine zusätzliche Schwierigkeit ist hier der festgelegte Zeitrahmen.

 

Achten Sie beispielsweise bei den Hausaufgaben darauf, dass Ihr Kind rechtzeitig eine Pause macht und zwar bevor es müde wird. Bei einem 5-7 jährigen Kind z.B. nach 15 Minuten. Ein Timer kann hier helfen, die Pause rechtzeitig einzuleiten. Wenn das Kind erst dann eine Pause macht, wenn es nicht mehr kann, speichert es dieses negative Gefühl und die Gedanken „Hausaufgaben sind anstrengend, mühsam, blöd“ unbewusst ab und es ist viel schwieriger Ihr Kind nach der Pause wieder für das Lernen zu motivieren. Zudem sollte die Pause keinen Vertiefungsfaktor haben. Es ist von Vorteil, wenn das Kind in der kurzen Pause (5 Min.) z.B. auf das Trampolin geht, ein Glas Wasser trinkt, auf die Toilette geht, eine Frucht isst. Also einer Tätigkeit nachgeht, die es wieder einfach unterbrechen kann.

 

Wie kann die Konzentration noch gefördert werden?

 

Nehmen wir als Vergleich ein Auto. Damit das Auto fahren kann, braucht es Benzin. Ist der Tank voll, kann es entsprechend weit fahren. Ist er leer, müssen wir wieder auftanken. Mit der Konzentration ist es ganz ähnlich.

Bei der Ausrichtung der Aufmerksamkeit verbrauchen wir viel Energie. Unser Gehirn benötigt vor allem Sauerstoff und Glucose (Traubenzucker). So wie das Auto muss auch das Kind nach einer Phase grosser Konzentration wieder auftanken.

Lüften Sie den Raum während der Pause kräftig durch, damit wieder genug Sauerstoff vorhanden ist. Stellen Sie dem Kind ein Glas Wasser zum Lernen auf den Tisch, damit es ausreichend trinkt und der Flüssigkeitshaushalt gut funktioniert.

Unser Körper kann nur Einfachzucker (Glucose) verwerten, wie er in Obst und Gemüse zu finden ist. Eine Frucht in der Pause kann helfen, den Glucosevorrat wieder aufzufüllen. Süssigkeiten und der normale Haushaltszucker sind leider nicht förderlich, da sie kein Traubenzucker enthalten.

Indem sich Kinder bewegen, schaltet ihr Grosshirn auf Sparflamme. Das Gehirn kann sich erholen. Wir nehmen mehr Sauerstoff auf und der Stoffwechsel wird angeregt. Die Bewegung sorgt also dafür, dass die Batterien des Gehirns wieder aufgeladen werden. Das Kind ist wieder optimal vorbereitet, um sich auf die nächste Lernphase einzulassen.

 

Unser Gehirn lernt im Laufe der Entwicklung Umweltreize zu filtern und auszuschalten. Nicht alles was wir brauchen, wird für eine aktuelle Tätigkeit gebraucht. Hierzu ein Beispiel:

 

Sie sind auf einer Party. Aus dem Lautsprecher ertönt laute Musik. Trotz dieses hohen Lärmpegels sind Sie in der Lage, dem Gespräch Ihres Gegenübers zu folgen. Sie hören seine Stimme, weil Ihr Gehirn in der Lage ist die Musik auszublenden.

Diese Fähigkeit ist bei Kindern noch nicht voll ausgebildet. Aktuell nicht gebrauchte Reize können von ihnen noch nicht so gut unterdrückt werden. Deshalb lassen sich Kinder viel schneller ablenken. Ein Umfeld, dass sie nicht dauernd mit Reizen überfordert und ablenkt, ist deshalb von Vorteil.

Das Kind kann das aktive Ausschalten von Umweltreizen auch lernen. Wenn Sie Ihr Kind daran gewöhnen, sich immer nur mit einer Sache zu beschäftigen: Entweder lesen oder Kassette hören, entweder spielen oder fernsehen. Sie lesen eine Geschichte vor und das Kind hört zu.

Das Ausschalten von Umweltreizen kann auch durch Entspannungstechniken, wie autogenes Training geübt werden. Es gibt auch Sportarten wie Thai-Chi, Judo oder Karate, die helfen die Konzentration und Reizselektion zu trainieren.

 

Weitere Tipps zum Thema Konzentration:

 „Idealer“ Arbeitsplatz:

Das Kinderzimmer ist nicht immer ein idealer Arbeitsplatz, da dort meistens sehr viele Gegenstände mit Aufforderungscharakter vorhanden sind. Experimentieren Sie mit verschiedenen Arbeitsplätzen.

 

Bewegtes Lernen, multimodales Lernen:

Unser Gehirn mag Abwechslung und das Lernen mit mehreren Sinnen.

 

Arbeitsgedächtnis nicht überfordern:

Unser Arbeitsspeicher ist begrenzt, nur kleine Lernportionen auf einmal lernen.

 

Abwechslungsreicher Lerninhalt:

Beim Lernen zwischen verschiedenen Fächern abwechseln. Z.B. nicht alle Hausaufgaben zum Thema Sprache nacheinander lösen.

 

Lernen mit Musik:

Bei einigen Kindern fördert das Lernen mit Musik die Konzentration. Instrumentalmusik verwenden, da diese keinen Ablenkungsfaktor hat. Mit Lautstärken variieren. Das Lernen mit Musik hat sich bei Kindern mit ADHS/ADS bewährt.

 

Fordern statt überfordern:

Bei einer Überforderung erlebt das Kind Frust und ist nicht mehr motiviert zu lernen.

 

Gute Balance zwischen Freizeit und Aktivzeit:

Hat das Kind viel Stress und zu wenig Ruhephasen, holt es sich die Erholung im Unterricht und schweift ab.

 

Sinnvolle und effektive Lernstrategien anwenden:

Wenn sich das Kind mühsame und anstrengende Lernstrategien angeeignet hat, leidet die Motivation und damit auch die Konzentration.

 

Anwendung der verbalen Selbstinstruktion:

Konzentrationstraining zur Schritt-für-Schritt Anleitung beim Lösen von Aufgaben und Prüfungen.

 

Und zu guter Letzt:

Wenn ich mich in einem Vortrag oder anderen Tätigkeiten nur noch mit Mühe konzentrieren kann, greif ich auch schon mal in meine Handtasche und hole meine Konzentrationspower heraus. Ein einfacher Kaugummi... Soll die Durchblutung im Gehirn anregen und die Konzentration verbessern. Bei mir hilft`s! Ausprobieren lohnt sich vielleicht auch in Ihrem Fall. Und nicht vergessen, Kaugummi für Konzentrationsnotfälle kaufen...

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